Bohemian Polyphony im Castle Kalich (CZ)

Es war einmal ein böhmisches Schloß, ein großartiges Gebäude inmitten einer wunderbaren Landschaft, und dort fand allerhand statt, Workshops und Parties…aber es gab noch nie ein nennenswetes musikalisches Event.
Doch 2016 entschlossen sich einige Musiker, dies zu ändern. Im Spätsommer ders Jahres 2016 trafen sie sich im Schloß für 5 Tage.
Dort wurden 19 Stücke aufgenommen, die nahezu unbearbeitet auf Bandcamp anhörbar und downloadbar sind.
2017 findet Bohemian Polyphony wieder statt, vom 02. bis 10 September.
Diesmal wird es mehr Workshops geben, und (hoffentlich) ein Open Air-Konzert im Schloßgarten.
Es sind derzeit noch Zimmer frei. Wenn alle Zimmer belegt sind kann im Garten gezeltet werden. Also…wer gerne dabei sein möchte sollte sich in der Facebook-Gruppe bewerben oder eine Mail schreiben.

Latest news: Das Schloß soll verkauft werden. Das liegt daran, daß nicht genug Besucher kommen, die die immensen Unkosten decken. Das würde natürlich bedeuten, daß Bohemian Polyphony in Zukunft nicht mehr stattfinden würde. 2017 könnte das letzte Mal sein.

Vielleicht können wir das noch verhindern, indem wir ein richtig gutes Event machen, mit einer (naja, zwei) Handvoll guten Musikern und einer Menge Zuhörer, die zum geplanten Live-Konzert am 09.09. kommen.

Wer kommt noch?

Alle Infos auf der Facebook-Gruppe oder direkt per Mail (s.o.)

 

(Video by Michael Peters)
(Fotos von Gerd Weyhing und Wolfgang Roth)

Gerdski LIVE in Erfurt am 10.06.2016

CD-Rezension im Eclipsed 2014/02

Diese Rezension steht im Eclipsed-Magazin 2014/02. Vielen Dank an Marcus. Sven und Walter und das restliche Eclipsed-Team!

GERD WEYHING

„The Hidden Symmetry“ (www.schrottland.de)
8 von 10 Punkten
Artverwandt: Robert Fripp; Brian Eno; Terje Rypdal; Popol Vuh

Der Pfälzer Gerd Weyhing hat dereinst bei Robert Fripp einen Gitarren-Crashkurs Sachen Soundscapes besucht. Das hört man. Ähnlich wie beim King-Crimson-Elder-Statesman kann man auch aus Weyhings sich langsam entfaltenden elektronischen Klängen kaum heraushören, was auf Gitarre und und was auf Synthesizer beruht. Drei Longtracks bietet er mit seiner zweiten Scheibe. Es flirrt und sirrt auf „Icyclokinesis“, bis eine verzerrte Gitarre das weitere musikalische Feld bestellt. Langsam wird der Raum gefüllt. Eine Art Akustische kommt hinzu. Dann Sphären-Strings. SchlieSlich Sequenzer. Ein schöner Fiebertraum wie auf einer von Van Gogh gemalten Sonnenwiese. Bei „Multilated Serenity“ kommen dezente chorale und Drones-Sounds sowie Percussion zueinander. Das ist hier weniger Meditation als Klangexkursion. Das mysteriös-psychedelische „Dubh Artach“ taucht dann mitsamt Echolot tief ins Unterbewusste ab. Die elektronische Klanggestaltung erinnert auch an den guten alten Eberhard Schoener. Die verzerrte E-Gitarrre spielt entrückt mit leicht keltischen Motiven. Eine feine neue Stimme im anspruchsvollen Ambient-Kosmos.

Top-Track: Icyclokinesis
WS (Walter Sehrer)

Rezension zu „the hidden symmetry“

Eine Rezension von Achim Breiling.
Danke!
*gefälltmir*

Von: Achim Breiling

Alle zwölf Jahre veröffentlicht der im pfälzischen Exil lebende Gerd Weyhing (nach eigener Aussage) ein Album. Nachdem sein Erstling „The Inside World / Soundscapes III“ im Jahre 2000 das Licht der Welt erblickt hatte, war somit sein zweites Album an der Reihe, welches dann auch pünktlich im Frühjahr 2012 erscheinen ist. Ausgerüstet mit E-Gitarre, Effektgeräten und Laptop gab Weyhing im Dezember 2011 ein Konzert in der Poly Produzentengalerie in Karlsruhe und schnitt bei dieser Gelegenheit drei umfangreiche Stücke mit. Dieses Material wurde dann in Eigenregie abgemischt, klanglich perfektioniert und schließlich als „The Hidden Symmetry“ auf CD gebrannt. Das Ergebnis kann man direkt beim Künstler (und natürlich bei seinen Konzerten) erwerben (siehe den Labellink oben).

Progressive elektronische Musik gibt es auf „The Hidden Symmetry“ zu hören, eine klangvolle und originelle Mischung aus Ambientsounds, klassischer Elektronik (Retroelektronik) und Gitarren-Soundscapes in der Tradition von Robert Fripp. Eher zurückhaltende, bisweilen aber auch leicht aufbrausende E-Gitarrenloops und -schleifen, elektronische Klanggewebe und ab und zu auch hypnotisch-minimalistische Rhythmusmuster vom Sequenzer (oder wie sich das entsprechende Computerprogramm gerade nennen mag) fließen hier aus den Boxen, ergänzt noch um allerlei weiteres elektronisches Fiepen, Wabern, Dröhnen und Zischen. Das Ergebnis sind sehr ausladende, intensive Soundlandschaften, die jeder Hörer in einer anderen Gegend, einem anderen Land, einem anderen Planeten oder irgendwo in sich selbst ansiedeln wird. Phantasieanregend und hypnotisierend erschließt diese Musik jedenfalls erweiterte Klangräume, die zum Wegdriften und Träumen anregen, ohne dabei auch nur im Entferntesten in seichte New-Age-Gefilde abzugleiten. Dazu ist das Ganze auch zu schräg, unglatt und kantig ausgefallen, hängt diesen Klanggemälden doch meist eine gewisse düster-bedrohliche Atmosphäre an.

„The Hidden Symmetry“ kann man wohl irgendwo in der Mitte zwischen den schwarzweißen Ambientklängen eines Robert Rich und den schleifenden Frippertronics des King-Crimson-Gitarristen ansiedeln. Irgendwelche weltbewegende Innovationen hat Weyhing nicht im Angebot (das ist wohl auch gar nicht seine Absicht), gibt es natürlich verschiedene Musiker, die sich in den letzten 30 Jahren in ganz ähnlichen musikalischen Gefilden aufgehalten haben. Doch vor diesen, auch den ganz großen Namen (zwei habe ich oben schon erwähnt), braucht er sich sicher nicht zu verstecken. Wer somit Progressiv-Elektronisch-Sundscapeartiges schätzt, der sollte „The Hidden Symmetry“ nicht verpassen! Bleibt noch zu hoffen, dass Weyhing seine Veröffentlichungsfrequenz in Zukunft etwas erhöht!

Veröffentlicht am: 28.4.2012
Wertung: 11/15

CD-Review auf musikreviews.de

Thoralf Koss hat auf musikreviews.de eine Rezension CD „the hidden symmetry“ geschrieben. Danke!
Zur Rezension

Artist: Gerd Weyhing
Album: The Hidden Symmetry
Medium: CD
Stil: Gerdskis Frippertronics- & T-Dream-Ausflüge in die Soundscape-Klanglandschaften
Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 72:05
Erschienen: 20.04.2012

GERD WEYHING, kurz „Gerdski“ genannt, ist bei ROBERT FRIPP zur Schule gegangen!!!
Aber keine Angst, was hier gerade wie ein Joke des Kritikers über einen Gitarristen erscheint, der wie die deutsche Ausgabe des FRIPPertronics-Erfinders klingt, ist tatsächlich wahr. Und während mir vor ein paar Tagen mit „Deep“ eine weitere CD, die ich von STICK MEN besprechen soll und hinter der sich die pure KING CRIMSON-Reinkarnation von 2 KC-Mitgliedern (TONY LEVIN & PAT MASTELOTTO) und dem Deutschen MARKUS REUTER, ebenfalls ein Robert-Fripp-Schüler, verbirgt, ins Haus flatterte, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Weyhing die Gitarrenparts auf „Deep“ wirklich locker in ganz ähnlicher Qualität hingezaubert hätte wie ein Reuter.

Doch was sind eigentlich die Frippertronics, denen ein GERD WEYHING mit seiner ganzen Musiker-Seele scheinbar verfallen ist?
Nicht jeder wird wohl wissen, was sich der musikalische Tausendsassa Fripp in dieser Beziehung einfallen ließ. Darum hier der Versuch einer kurzen Erklärung: Anfangs benutzte Fripp zwei Tonbandgeräte, bei dem das erste das Eingangssignal des Instruments (Gitarre) aufzeichnete, das dann mit dem zweiten Tonband kombiniert wurde, um eine sich ständig wiederholende, aber im Tempo variierende „Tonschleife“ (kurz: Loop) zu erzeugen. Mit neuerer Technik und durch den Einsatz von Gitarren-Synthesizern wurden später diese Loops ohne mechanische Geräte erzeugt, allerdings verpasste Fripp dieser neuen Methode auch einen neuen Begriff: „Soundscapes“ (ein englisches Kunstwort, das aus Sound =Klang= und Landscape =Landschaft= zu Klanglandschaft zusammengesetzt wird).

An dieser Art von Klanglandschaft-„Musik“ scheiden sich noch heute viele Kritiker-Geister und um es noch kürzer zu machen, kann man diese Deutungsweisen auf zwei Nenner bringen:
1. Hier gibt’s atmosphärische Musik zu erleben, die man tausendmal hören kann und die einem nie langweilig wird.
2. Hier gibt’s eintönige Musik zu hören, die einen von Anfang an nur langweilt, weil sie nicht auf Rhythmen, sondern eine recht gleichbleibende Stimmung setzt.
Ja, so nah liegen mal wieder Genialität und Wahnsinn beieinander. Und so nah liegen auch ROBERT FRIPP und GERD WEYHING beieinander. Und die CD „The Hidden Symmetry“ ist der lebendige 72-minütige Beweis dafür. Drei Traumreisen in die instrumentalen Klangwelten der Loops und Soundscapes, aber auch der Minimal-Music im besten (Steve) REICHschen Sinne. Musik, die eigentlich nicht nur für irgendwelche Prog-Heads und Crimsonraner geschaffen wurde, sondern für Menschen, die heutzutage noch den Mut aufbringen, sich der alltäglichen Hektik durch die totale Hingabe zur Ruhe zu entziehen. Dazu gehört mehr, als vielen von uns lieb ist. Der Fernseher muss aus bleiben, das Hirn entmüllt und die Kopfhörer vorgekramt werden. Und dann kann sie endlich beginnen, die Reise durch Raum und Zeit, eingehüllt in uns umschwebende Töne und Noten, jenseits von Gut und Böse, dafür aber nie wirklich laut, doch immer leise-atmosphärisch und trotzdem spannend.

„Icyclokinesis“ beginnt anmutig schwebend und kurze Zeit später mit typischen Fripp-Soundscapes. Doch bereits nach sechs Minuten wartet der Song mit einer echten Überraschung auf, denn nun ändert sich die Musik in typische E-Sphären, wie wir sie von TANGERINE DREAM zu ihren „Tangram“-Zeiten (1980) kennen. Noch aufregender aber wird es, wenn nach etwa 10 Minuten sich plötzlich die Fripp-Loops mit den TD-Electronics vereinen. Da würde wohl selbst ein Fripp Augen und Ohren machen, während zärtliche Erinnerungen bei ihm wach werden an seine „No Pussyfooting“-Zeiten, in denen er mit BRIAN Peter George St. John le Baptiste de la Salle ENO gemeinsam durch die Soundscapes wanderte.

Auch „Mutilated Serenity“ beginnt ähnlich verhalten wie der erste Song – doch diesmal kippt die Stimmung in eine völlig andere Ecke. Nun durchwandert der Hörer eine Art Albtraum-Landschaft, die von einem bedrohlichen Bass-Unterton erzeugt wird, und in der sternschnuppengleich immer wieder Soundscapes und Loops auftauchen. Es ist wirklich seltsam, aber auch hier überkommen mich Erinnerungen an TANGERINE DREAM, allerdings an deren frühe, ganz finstere Zeiten, als ihre Alben noch etwas Bedrohlich-Düsteres hatten. In diesem Falle also die „Zeit“ (1972) von „Atem“ (1973)!

Der letzte Song klingt wie „Unter Wasser“ oder besser nach einem U-Boot, das auf dem Meeresboden manövrierunfähig fest sitzt und seine Signale an die Außenwelt zu senden versucht. Ganz ähnlich fing auch „Das Boot“ von U96 an, dem Soundtrack zum Film, in dem eine ganz ähnliche Szene auftritt, bei der sich der nuschelnde Schauspieler und später auch nuschelnde Sänger GRÖNEMEYER als Kriegsberichterstatter vor Angst in die Hose pinkelte. Die Situation im letzten Song des Albums ist akustisch gänzlich die gleiche: bedrohlich, beängstigend, aussichtslos und in ihrer hoffnungslos erscheinenden Eintönigkeit an den Nerven zerrend. Allerdings übertreibt es Gerdski aus meiner Sicht mit dieser Eintönigkeit die ersten 6 Minuten lang in „Dubh Artach“ doch ein wenig. Da plingt und basswabert es zwar laufend, aber es passiert einfach nichts wirklich Dolles. Wiederholung statt Abwechslung, das mochte ich schon in der Schule nicht so richtig. Endlich aber erhebt sich unser hoffnungslos festsitzendes Musik-U-Boot langsam doch und steigt verhalten und ein wenig behäbig in Richtung Wasser-Oberfläche. Der Blick nach oben verrät durch Lichtsignale, dass wir bald die Wasseroberfläche erreichen, und mitten in Dubh Artach, einer schottischen Felsinsel, auf der ein einsamer Leuchtturm uns den Weg weist, ankommen. Die langsam anschwellende, immer dynamischer werdende Musik verheißt die Rettung aus der Finsternis und verdammt diese anfänglich beängstigende Dub(h)-Musik in himmlische, etwas wolkenverhangene Sphären, aus denen der eine oder andere Gitarren-Stern uns den Weg weist. Und wen interessieren sollte, wie diese U-Boot-Reise hin zu der Inselgruppe der Inneren Hebriden klingt, der darf in seiner Neugier einfach diesen roten “Dubh Artach“-Link aufleuchten lassen, um die bis dato modernste Version dieses Leuchtturm-Epos zu bestaunen, in der uns nunmehr auch Gewitterstürme und Wasserrauschen zu Ohren kommen.

Wessen Neugier jetzt nicht endgültig geweckt sein sollte, der gehört garantiert zur Kategorie 2, also den Soundscape-Gelangweilten. Schade, euch entgeht etwas, garantiert! Für „Kategorie 1“-Anhänger gilt aber auch noch eine besondere Empfehlung – nämlich Sch(r)ottland, wohl eine kleine Anspielung, in der dieser recht ruhelose deutsche Gitarrist seine Zeit in Schott- und seine Musik, den Schrott ;-), in einem Land vereint. Hier darf der neugierig gewordene Leser und Hörer auch erfahren, wie es Gerdski sogar auf einer Internetplattform bis in die Entspannungs- und Esoterik-Musik-Ecke schaffen konnte. Herzlichen Glückwunsch, kann man da nur sagen – solange sich Gerd nicht wie ein OLIVER SHANTI über kleine Kinder hermacht, ist das doch tatsächlich schon wieder ein gewisses Qualitätsmerkmal! Genauso wie die Tatsache, dass GERD WEYHING seine CD mit der Creative-Commons-Lizens versehen ließ, so dass sie immer und überall auch öffentlich gespielt werden darf, ohne dass die GEMA ihre schreckliche, profitgeilen Kraken-Hände danach ausstreckt.

FAZIT (in eigenen Gerdski-Worten):
„Es ist interessant (und auch schön!), dass ich oft von Menschen höre, meine Musik wäre sehr entspannend, aber dabei gleichzeitig auch bewegt und aufwühlend. Seit über 30 Jahren versuche ich, Musik zu machen, die gut IST und gut KLINGT… es ist wunderbar, dass sie (auch) gut TUT.
Das hat sicher mit den repetitiven, sich wiederholenden Texturen / Patterns zu tun, die sich auf verschiedenen Ebenen entwickeln und verändern. Sicher aber auch nicht zuletzt damit, dass die Stücke 20-30 Minuten lang sind und genug Zeit haben, um sich zu entwickeln … und den Hörer dabei gleich mitnehmen.“

Mein FAZIT:
Recht hat er – der Gerdski!

Rezension von „the hidden symmetry“

Marcus Kästner hat eine Rezension zu meiner CD geschrieben. Danke. „gefälltmir“

Von: Marcus Kästner

Singende Dichter, sogenannte Rhapsoden, trugen im frühen Griechenland ihre Epik vor kleinem Publikum zum Spiel der Phorminx, einem Saiteninstrument, vor. Sie mussten ohne Noten- und Textblätter auskommen, wenn sie ihre abendfüllenden Vorträge gestalteten. Sie hielten sich daher an vorgefertigte zusammenhängende Textmuster, Formeln und Wiederholungen, um kohärente Bilder ihrer Erzählungen zu zeichnen. Diese Parallele kam mir in den Kopf, als ich ein Video von Gerd Weyhing sah, in dem dieser mit seiner Gitarre und seinem Equipment vor kleinem Publikum sein aus Echos, Loops und live eingespielten wie programmierten Sequenzen bestehendes Stück „Icyclokinesis“ zum besten gibt. Was Weyhing dabei von den Rhapsoden unterscheidet? Er nutzt allein die Ausdrucksform seiner Musik zur Erzählung seiner Geschichten!

Das Genre „Soundscapes“ ist ein ziemlich schlecht zu vermarktendes. Es gibt die, die mit dem Namen etwas anfangen können, aber vermutlich die Werke seines Schöpfers (Robert Fripp) bevorzugen und es gibt die, die mit dem rätselhaften Namen nichts anfangen können und deshalb vermutlich auch nicht neugierig werden. Das ist schade, denn bei Gerd Weyhings Soundscapes können Freunde von Ambient- und früher elektronischer Musik, aber auch Liebhaber frippesker Klänge ganz auf ihre Kosten kommen.

Ich bin überhaupt erst durch Gerd Weyhing auf die Welt der Soundscapes aufmerksam geworden. Seinerzeit, im Dezember 2004, als ich mir sein erstes Album, das hier bereits kontrovers diskutiert wurde, aus Neugier bei ihm persönlich gekauft hatte. Mein Freund Sal Pichireddu schrieb damals auf diesen Seiten sehr treffend:

„Diese Musik ist wie ein Gedicht, das jeder Hörer selbst schreiben kann, schreiben soll, wenn er den Mut dazu findet.“

Diese Worte gelten in gleichem Maße für „The Hidden Symmetry“. Im Gegensatz zum ersten Album gibt es hier drei Stücke mit jeweils eigener Atmosphäre und eigenem Spannungsbogen zu hören. Wie auch beim Vorgänger wird dabei das Fassungsvermögen einer CD beinahe ganz ausgereizt.

Die Intensität des eigenen Gedichts, um bei Sals Worten zu bleiben, hängt davon ab, wie sehr man als Hörer in Weyhings Klangwelt eintaucht, wie sehr man sich auf die sich langsam entwickelnden Strukturen einlässt, die eine fast meditative Konzentration erfordern, um gänzlich in ihnen aufgehen zu können. Dem Leser dieser Seiten sollte eine gewisse Bereitschaft zur Erforschung solcher Stücke aber gegeben sein. Und es lohnt sich!

Gerade das abschließende „Dubh Artach“ ist ein Wechselbad der Gefühle, voll durchdringender Energie und knisternder Spannung, dass man denkt, in den Soli gen Mitte des Stückes würden Funken aus den Boxen sprühen. Und drumherum eine schaurige Bedrohlichkeit, die in ihrer Einsamkeit als Echolot in regelmäßigen Abständen in das Ohr und das Herz des Hörers pocht. Man muss es erlebt haben, um darüber zu berichten. Mir hat es wundervolle Momente beschert.

So erzählt der Soundscape-Rhapsode Gerd Weyhing seine Geschichten. Immer mit ein bisschen Wehmut und Schmerz, aber auch mit Leidenschaft und Hingabe. Wie ich bereits eingangs schrieb: Ich bin im Umfeld der Soundscapes nicht besonders bewandert. Mir kommt beim Hören von Weyhings Musik als Erstes immer ein Vergleich aus einer vermeintlich verschiedenen Richtung in den Sinn: Mike Oldfield. Wie dieser zaubert er lange, vielschichtige und -stimmige Werke, die unterschiedliche Kulminationspunkte haben. Zudem gibt es im Spiel und Klang ihrer Gitarren einige Gemeinsamkeiten. Ich sage daher, Gerd Weyhing ist der dunkle, schräge Mike Oldfield.

Die CD ist bei Gerd Weyhing persönlich (s.o.) und auf seinen Konzerten zu erstehen. Letzteres rate ich dem Interessenten unbedingt an. Live gewinnt Weyhings Musik noch einmal an Brisanz. Damit sich keine falschen Zuhörer angesprochen fühlen, hier noch ein sachdienlicher Hinweis von O. Mensing:

„Ich warne jeden […] Melodic Rock-Liebhaber: Ihr solltet wirklich auf diese Art von Minimal-Musik abfahren.“

Da wisst ihr Bescheid!
Anspieltipp(s): Dubh Artach
Vergleichbar mit: Den im Text genannten
Veröffentlicht am: 7.6.2012
Wertung: 12/15

Ich bin mir sicher: Das ist noch nicht die Spitze von Weyhings Schaffenskunst!

„Ariadne“ schreibt…

…etwas schönes über meine Musik! 🙂 Danke!

Mit 25 Jahren Erfahrung in der Szene elektronischer und progressiver Musik erschafft Gerd WEYHING geheimnisvolle Klangschaften, welche zu einem akustischen Universum elektronisch-progressiver Ambient-Sphären verschmelzen. Sein Stil zeichnet sich durch die für den Künstler charakteristische Dramaturgie der einzelnen Themen seiner erhabenen und anmutigen Kompositionen aus und macht sie zu einem unvergleichbaren, unverwechselbaren und unvergesslichen Klangerlebnis.

Der Künstler beeindruckt seit dem Frühjahr 2011 sein Publikum auch live mit der Essenz seiner kreativ-musikalischen Inspiration und lädt es ein, seine in sich geschlossenen, jedoch nach allen Seiten offenen Improvisationen zu teilen. Geduldig aber bestimmt regt er die Vorstellungskraft seiner Hörer an und schickt sie auf die abenteuerliche Reise, sich von seinen authentischen und vielschichtigen Werken getragen ihrem eigenen mystischen Mikrokosmos zu nähern und diesen auf eine ganz besondere Weise zu entdecken

Gerd WEYHINGS ambient-progressive-soundscapes sind ein geschätzter Geheimtipp unter Kennern und ein Geschenk an Entdecker der elektronisch-progressiven Musik.

Sal Pichireddu über „dubh artach“

(…)

Gerd Weyhings Musik hatte schon immer einen eigenen Charakter. Seine Musik entwickelt sich oft langsam, bleibt aber in stetig in Bewegung, sie ist dynamisch und (poly)rhythmisch betont und hat viel zu viel Rhythmus um als konventioneller Ambient durchzugehen: Seine Musik bewegt sich in eine bestimmte Richtung, hat einen logischen Anfang und ein logisches Ende.

Es hat sich etwas verändert in Gerds Musik, etwas ist jetzt vernehmbar, das nicht immer so klar zu greifen war: Gerds Interesse an der Musik von Steve Reich ist jedem bekannt, der ihn einigermaßen kennt, aber bisher waren die Einflüsse der Minimal music bei ihm eher minimal (haha!), nur zur erahnen. »Dubh Artach« bezieht sich eindeutiger denn je zuvor auf Reich & Co.: Sich wiederholende Patterns, die sich langsam aber unaufhaltsam weiterentwickeln. Darüber legt sich die Lead Gitarre, die mal mit der pulsierenden Rhythmus-Sektion harmoniert, bald wieder konkurriert, zuletzt sich in dieser geradezu auflöst. Heraus gekommen ist ein Stück, dass mich wirklich über die gesamte Laufzeit von gut 20 Minuten fasziniert. Dies ist nicht nur ein persönliches Highlight für mich, weil ich mir einreden darf ein wenig der Katalysator dieses Stückes gewesen zu sein, sondern auch ein musikalisches in diesem Adventskalender und hoffentlich der Auftakt für wieder mehr Musik von Gerd Weyhing.

(Ausschnitt eines Artikels auf uergsel.de von Sal Pichireddu)