Gerdski LIVE in Dresden am 11.07.2015

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Gerdski LIVE in Bielefeld am 25.04.2015

Gerdski LIVE in L-2160 Luxembourg am 11.10.2014

Rezension von „Journeys to Impossible Places“ von Andreas Pawlowski

Gerd Weyhing: Journeys To Impossible Places

Schrottland, 2014

1.1  Forbidden Tracks  32:28
1.2  Cryptomeria  31:01
2.1  Das Reich des schwarzen Fisches  21:23
2.2  Landscape And Memory  23:46
2.3  The Melism Of A.  27:35

Nach seinem bemerkenswerten Debüt „The Hidden Symmetry“ hat Gerd Weyhing nun ein neues Album herausgebracht. Weil Gerd im letzten Jahr viel unterwegs war, ist „Journeys To Impossible Places“ ein Doppelalbum geworden, das Musik von Live-Auftritten in Wiesbaden, Dresden, Essen und Bocholt vereinigt, aufgenommen zwischen dem 13. April und dem 26. Oktober 2013. Einzige Einschränkung: der Gitarrenpart von „Landscape And Memory“ wurde nachträglich (live) eingespielt.

Alle Coverseiten inklusive der CDs selber sind sehr schön gestaltet; das wirkt wie Gestein, zum Teil sehr bunt. Leider ist nirgends vermerkt, wer das Cover geschaffen hat; vielleicht stammt es von Gerd selber. (Anmerkung: Ja, es stammt von mir)

Ein Kennzeichen von Gerd Weyhings Musik ist die Dauer der Tracks: eine halbe Stunde ist durchaus nicht ungewöhnlich. Meist lässt er seine Stücke ganz lange ausklingen, so dass das eben Gehörte nachwirken kann und man aus der Stimmung nicht „herausgeschubst“ wird.

Ganz wichtig ist bei einer Produktion des Gitarristen Gerd Weyhing natürlich die E-Gitarre. Nach wie vor staune ich, was man mit diesem Instrument so alles anstellen kann, welche Klänge sich damit (und entsprechenden elektronischen Hilfsmitteln) erzeugen lassen.

Es sind nicht unbedingt die Melodien, die fesseln, denn die sind (von Ausnahmen abgesehen) kaum ausgeprägt. Nein, die Faszination rufen die Klangschaften – Soundscapes hervor, die Gerd kreiert und großflächig ausbreitet.

Auf die beiden CDs verteilen sich fünf (entsprechend lange) Tracks, zu denen ich noch ein paar Sätze spendiere:

1.  Forbidden Tracks:

Gerd baut ein Gerüst aus einer kleinen, aus stakkatoartigen kurzen Tönen bestehenden Sequenz, flächigen Ambientklängen und prägnanten rhythmischen Einsprengseln. Darauf setzt er seine so charakteristische Gitarre. Er gibt sich aber auch die Gelegenheit, das Gerüst mit anderen Klängen zu verstärken und die schon vorhandenen zu intensivieren. Vor allem die rhythmischen Elemente werden mehr.

Manchmal weiß ich nicht zu sagen, ob gewisse Sounds oder Teile des Stücks von der Gitarre stammen, oder ob es doch pure Synthesizerklänge sind. Mein Eindruck ist aber, dass hier die Tasteninstrumente dominieren, dafür kreiert Gerd mit der Gitarre umso „wildere“ Sounds.

„Forbidden Tracks“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Gerd seine Stücke mit viel Zeit ausklingen lässt. Ambiente Klänge kommen hier bestens zur Geltung und werden nicht mehr von rhythmischen Elementen dominiert.

2.  Cryptomeria:

Bei diesem Stück steht die E-Gitarre stärker im Vordergrund. Nach gut 6 Minuten schieben sich schnellere Rhythmusklänge in die Musik. Die zunächst noch ruhigen Gitarren- und Synthesizerklänge werden bald „quirliger“. Im weiteren Verlauf des Stückes tragen immer mehr Elemente zur Komplexität bei, bis hin zu Drums und Stimmsamples. Genauso wird das alles auch wieder abgebaut. Zwischendurch wird mit den Sounds auch „experimentiert“: Unterbrechungen, Verzerrung des Klangs und Verschiebung der Tonhöhe und anderes würden in einem anderen Musikgenre den Hörer mindestens an Fehler bei der Herstellung der CD denken lassen. – Bei EM ist solches ja Gott sei dank erlaubt.

3.  Das Reich des schwarzen Fisches:

Zum „Reich des schwarzen Fisches“ ist die E-Gitarre die Eintrittskarte, denn sie steht gleich am Beginn des Stückes. Der Rhythmus wird von Trommel- und Tambourinklängen getragen, die mich an Bands erinnern, die „mittelalterliche“ Musik machen. – Letzteres ist jedoch kein Hinweis auf den Stil der Musik dieser CD. Allerdings hat das Stück schon etwas Düsteres, wie Gerd Weyhings Werke insgesamt nicht in die Kategorie „himmelhoch jauchzend“ fallen. Der Titel „Das Reich des schwarzen Fisches“ lässt ja an sich schon kaum euphorische Gefühle aufkommen, aber deprimierend ist das Stück nun auch nicht. Ich lasse mich sehr gerne von der dunklen Stimmung forttragen und genieße es, wie Gerd den Track entwickelt und entfaltet. Im „Reich des schwarzen Fisches“ wird die E-Gitarre auch als ausgesprochenes Melodie-Instrument eingesetzt.

4.  Landscape And Memory:

Celloartige Klänge bauen zu Beginn eine nahezu romantische Stimmung auf, wie tastend bewegen sich die Töne fort. Da können durchaus Bilder von Landschaften wie bei Caspar David Friedrich vor dem geistigen Auge auftauchen. Doch zu „glatt“ und eingängig soll es bitteschön nicht werden. Und solche, womöglich einlullende Stücke sind Gerd Weyhings Sache nicht. Also werden tonale Störfeuer eingebaut, dissonante Querschläger, die die  Romantik-Stimmung vom Anfang aufbrechen. Nach einiger Zeit übernehmen Sequenzer und E-Gitarre das Ruder und lenken den Blick auf eine andere Landschaft und Erinnerung („Landscape And Memory“), ohne dass die bisherigen Elemente völlig abgelöst würden.

Ich gebe zu, bei „Landscape And Memory“ fehlt mir ein wenig der rote Faden; das Stück laviert für mein Empfinden ein bisschen zu sehr durch die Klangwelten und findet nicht recht zu sich selbst. Die einzelnen Elemente stehen mehr nebeneinander; es sei denn, es war die Absicht, etwas konfuse „Landscape And Memory“ musikalisch zu illustrieren.

5.  The Melism Of A.:

Ich musste erst einmal recherchieren, was „Melism“ sein könnte. Ein Melisma ist dem Fremdwörterlexikon nach eine melodische Verzierung, eine Koloratur. Das „A.“ vermag ich dagegen nicht zu deuten – oder ist damit womöglich einfach der Ton „A“ gemeint?

Was ich höre, ist allerdings dem Titel durchaus nachzuempfinden. Gerd spielt eigentlich nur ganz wenige Töne, langgezogen, in der Tonhöhe nicht weit voneinander entfernt – also völlig unspektakulär und für sich genommen sicherlich nicht für das breite Publikum geeignet. Was Gerd aber mit diesen wenigen Tönen macht, das ist faszinierend. Es sind eben solche „Melismen“, also Verzierungen, die die gut 27 Minuten Laufzeit im Nu vergehen lassen. Immer neue Feinheiten, Bässe, Percussion, Intensität der Sounds, Gitarre und Synths, zum Schluss auch eine weibliche Gesangsstimme, machen die Faszination dieses Tracks aus.

Mit “Journeys To Impossible Places” hat Gerd einen sehr schönen Überblick über sein derzeitiges Schaffen vorgelegt. Und ich finde, man sollte solch engagierten und eigenständigen Künstlern auch entsprechend begegnen und mit dem Kauf der CD  unterstützen, zumal 15 Euro für ein Doppelalbum absolut nicht zu viel sind. – Viel Spaß beim Hören!

Andreas Pawlowski

Bezug: www.schrottland.de
oder
http://gerdski.bandcamp.com/album/journeys-to-impossible-places

Rezension zu „the hidden symmetry“

Eine Rezension von Achim Breiling.
Danke!
*gefälltmir*

Von: Achim Breiling

Alle zwölf Jahre veröffentlicht der im pfälzischen Exil lebende Gerd Weyhing (nach eigener Aussage) ein Album. Nachdem sein Erstling „The Inside World / Soundscapes III“ im Jahre 2000 das Licht der Welt erblickt hatte, war somit sein zweites Album an der Reihe, welches dann auch pünktlich im Frühjahr 2012 erscheinen ist. Ausgerüstet mit E-Gitarre, Effektgeräten und Laptop gab Weyhing im Dezember 2011 ein Konzert in der Poly Produzentengalerie in Karlsruhe und schnitt bei dieser Gelegenheit drei umfangreiche Stücke mit. Dieses Material wurde dann in Eigenregie abgemischt, klanglich perfektioniert und schließlich als „The Hidden Symmetry“ auf CD gebrannt. Das Ergebnis kann man direkt beim Künstler (und natürlich bei seinen Konzerten) erwerben (siehe den Labellink oben).

Progressive elektronische Musik gibt es auf „The Hidden Symmetry“ zu hören, eine klangvolle und originelle Mischung aus Ambientsounds, klassischer Elektronik (Retroelektronik) und Gitarren-Soundscapes in der Tradition von Robert Fripp. Eher zurückhaltende, bisweilen aber auch leicht aufbrausende E-Gitarrenloops und -schleifen, elektronische Klanggewebe und ab und zu auch hypnotisch-minimalistische Rhythmusmuster vom Sequenzer (oder wie sich das entsprechende Computerprogramm gerade nennen mag) fließen hier aus den Boxen, ergänzt noch um allerlei weiteres elektronisches Fiepen, Wabern, Dröhnen und Zischen. Das Ergebnis sind sehr ausladende, intensive Soundlandschaften, die jeder Hörer in einer anderen Gegend, einem anderen Land, einem anderen Planeten oder irgendwo in sich selbst ansiedeln wird. Phantasieanregend und hypnotisierend erschließt diese Musik jedenfalls erweiterte Klangräume, die zum Wegdriften und Träumen anregen, ohne dabei auch nur im Entferntesten in seichte New-Age-Gefilde abzugleiten. Dazu ist das Ganze auch zu schräg, unglatt und kantig ausgefallen, hängt diesen Klanggemälden doch meist eine gewisse düster-bedrohliche Atmosphäre an.

„The Hidden Symmetry“ kann man wohl irgendwo in der Mitte zwischen den schwarzweißen Ambientklängen eines Robert Rich und den schleifenden Frippertronics des King-Crimson-Gitarristen ansiedeln. Irgendwelche weltbewegende Innovationen hat Weyhing nicht im Angebot (das ist wohl auch gar nicht seine Absicht), gibt es natürlich verschiedene Musiker, die sich in den letzten 30 Jahren in ganz ähnlichen musikalischen Gefilden aufgehalten haben. Doch vor diesen, auch den ganz großen Namen (zwei habe ich oben schon erwähnt), braucht er sich sicher nicht zu verstecken. Wer somit Progressiv-Elektronisch-Sundscapeartiges schätzt, der sollte „The Hidden Symmetry“ nicht verpassen! Bleibt noch zu hoffen, dass Weyhing seine Veröffentlichungsfrequenz in Zukunft etwas erhöht!

Veröffentlicht am: 28.4.2012
Wertung: 11/15

CD-Review auf musikreviews.de

Thoralf Koss hat auf musikreviews.de eine Rezension CD „the hidden symmetry“ geschrieben. Danke!
Zur Rezension

Artist: Gerd Weyhing
Album: The Hidden Symmetry
Medium: CD
Stil: Gerdskis Frippertronics- & T-Dream-Ausflüge in die Soundscape-Klanglandschaften
Label: Eigenvertrieb
Spieldauer: 72:05
Erschienen: 20.04.2012

GERD WEYHING, kurz „Gerdski“ genannt, ist bei ROBERT FRIPP zur Schule gegangen!!!
Aber keine Angst, was hier gerade wie ein Joke des Kritikers über einen Gitarristen erscheint, der wie die deutsche Ausgabe des FRIPPertronics-Erfinders klingt, ist tatsächlich wahr. Und während mir vor ein paar Tagen mit „Deep“ eine weitere CD, die ich von STICK MEN besprechen soll und hinter der sich die pure KING CRIMSON-Reinkarnation von 2 KC-Mitgliedern (TONY LEVIN & PAT MASTELOTTO) und dem Deutschen MARKUS REUTER, ebenfalls ein Robert-Fripp-Schüler, verbirgt, ins Haus flatterte, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Weyhing die Gitarrenparts auf „Deep“ wirklich locker in ganz ähnlicher Qualität hingezaubert hätte wie ein Reuter.

Doch was sind eigentlich die Frippertronics, denen ein GERD WEYHING mit seiner ganzen Musiker-Seele scheinbar verfallen ist?
Nicht jeder wird wohl wissen, was sich der musikalische Tausendsassa Fripp in dieser Beziehung einfallen ließ. Darum hier der Versuch einer kurzen Erklärung: Anfangs benutzte Fripp zwei Tonbandgeräte, bei dem das erste das Eingangssignal des Instruments (Gitarre) aufzeichnete, das dann mit dem zweiten Tonband kombiniert wurde, um eine sich ständig wiederholende, aber im Tempo variierende „Tonschleife“ (kurz: Loop) zu erzeugen. Mit neuerer Technik und durch den Einsatz von Gitarren-Synthesizern wurden später diese Loops ohne mechanische Geräte erzeugt, allerdings verpasste Fripp dieser neuen Methode auch einen neuen Begriff: „Soundscapes“ (ein englisches Kunstwort, das aus Sound =Klang= und Landscape =Landschaft= zu Klanglandschaft zusammengesetzt wird).

An dieser Art von Klanglandschaft-„Musik“ scheiden sich noch heute viele Kritiker-Geister und um es noch kürzer zu machen, kann man diese Deutungsweisen auf zwei Nenner bringen:
1. Hier gibt’s atmosphärische Musik zu erleben, die man tausendmal hören kann und die einem nie langweilig wird.
2. Hier gibt’s eintönige Musik zu hören, die einen von Anfang an nur langweilt, weil sie nicht auf Rhythmen, sondern eine recht gleichbleibende Stimmung setzt.
Ja, so nah liegen mal wieder Genialität und Wahnsinn beieinander. Und so nah liegen auch ROBERT FRIPP und GERD WEYHING beieinander. Und die CD „The Hidden Symmetry“ ist der lebendige 72-minütige Beweis dafür. Drei Traumreisen in die instrumentalen Klangwelten der Loops und Soundscapes, aber auch der Minimal-Music im besten (Steve) REICHschen Sinne. Musik, die eigentlich nicht nur für irgendwelche Prog-Heads und Crimsonraner geschaffen wurde, sondern für Menschen, die heutzutage noch den Mut aufbringen, sich der alltäglichen Hektik durch die totale Hingabe zur Ruhe zu entziehen. Dazu gehört mehr, als vielen von uns lieb ist. Der Fernseher muss aus bleiben, das Hirn entmüllt und die Kopfhörer vorgekramt werden. Und dann kann sie endlich beginnen, die Reise durch Raum und Zeit, eingehüllt in uns umschwebende Töne und Noten, jenseits von Gut und Böse, dafür aber nie wirklich laut, doch immer leise-atmosphärisch und trotzdem spannend.

„Icyclokinesis“ beginnt anmutig schwebend und kurze Zeit später mit typischen Fripp-Soundscapes. Doch bereits nach sechs Minuten wartet der Song mit einer echten Überraschung auf, denn nun ändert sich die Musik in typische E-Sphären, wie wir sie von TANGERINE DREAM zu ihren „Tangram“-Zeiten (1980) kennen. Noch aufregender aber wird es, wenn nach etwa 10 Minuten sich plötzlich die Fripp-Loops mit den TD-Electronics vereinen. Da würde wohl selbst ein Fripp Augen und Ohren machen, während zärtliche Erinnerungen bei ihm wach werden an seine „No Pussyfooting“-Zeiten, in denen er mit BRIAN Peter George St. John le Baptiste de la Salle ENO gemeinsam durch die Soundscapes wanderte.

Auch „Mutilated Serenity“ beginnt ähnlich verhalten wie der erste Song – doch diesmal kippt die Stimmung in eine völlig andere Ecke. Nun durchwandert der Hörer eine Art Albtraum-Landschaft, die von einem bedrohlichen Bass-Unterton erzeugt wird, und in der sternschnuppengleich immer wieder Soundscapes und Loops auftauchen. Es ist wirklich seltsam, aber auch hier überkommen mich Erinnerungen an TANGERINE DREAM, allerdings an deren frühe, ganz finstere Zeiten, als ihre Alben noch etwas Bedrohlich-Düsteres hatten. In diesem Falle also die „Zeit“ (1972) von „Atem“ (1973)!

Der letzte Song klingt wie „Unter Wasser“ oder besser nach einem U-Boot, das auf dem Meeresboden manövrierunfähig fest sitzt und seine Signale an die Außenwelt zu senden versucht. Ganz ähnlich fing auch „Das Boot“ von U96 an, dem Soundtrack zum Film, in dem eine ganz ähnliche Szene auftritt, bei der sich der nuschelnde Schauspieler und später auch nuschelnde Sänger GRÖNEMEYER als Kriegsberichterstatter vor Angst in die Hose pinkelte. Die Situation im letzten Song des Albums ist akustisch gänzlich die gleiche: bedrohlich, beängstigend, aussichtslos und in ihrer hoffnungslos erscheinenden Eintönigkeit an den Nerven zerrend. Allerdings übertreibt es Gerdski aus meiner Sicht mit dieser Eintönigkeit die ersten 6 Minuten lang in „Dubh Artach“ doch ein wenig. Da plingt und basswabert es zwar laufend, aber es passiert einfach nichts wirklich Dolles. Wiederholung statt Abwechslung, das mochte ich schon in der Schule nicht so richtig. Endlich aber erhebt sich unser hoffnungslos festsitzendes Musik-U-Boot langsam doch und steigt verhalten und ein wenig behäbig in Richtung Wasser-Oberfläche. Der Blick nach oben verrät durch Lichtsignale, dass wir bald die Wasseroberfläche erreichen, und mitten in Dubh Artach, einer schottischen Felsinsel, auf der ein einsamer Leuchtturm uns den Weg weist, ankommen. Die langsam anschwellende, immer dynamischer werdende Musik verheißt die Rettung aus der Finsternis und verdammt diese anfänglich beängstigende Dub(h)-Musik in himmlische, etwas wolkenverhangene Sphären, aus denen der eine oder andere Gitarren-Stern uns den Weg weist. Und wen interessieren sollte, wie diese U-Boot-Reise hin zu der Inselgruppe der Inneren Hebriden klingt, der darf in seiner Neugier einfach diesen roten “Dubh Artach“-Link aufleuchten lassen, um die bis dato modernste Version dieses Leuchtturm-Epos zu bestaunen, in der uns nunmehr auch Gewitterstürme und Wasserrauschen zu Ohren kommen.

Wessen Neugier jetzt nicht endgültig geweckt sein sollte, der gehört garantiert zur Kategorie 2, also den Soundscape-Gelangweilten. Schade, euch entgeht etwas, garantiert! Für „Kategorie 1“-Anhänger gilt aber auch noch eine besondere Empfehlung – nämlich Sch(r)ottland, wohl eine kleine Anspielung, in der dieser recht ruhelose deutsche Gitarrist seine Zeit in Schott- und seine Musik, den Schrott ;-), in einem Land vereint. Hier darf der neugierig gewordene Leser und Hörer auch erfahren, wie es Gerdski sogar auf einer Internetplattform bis in die Entspannungs- und Esoterik-Musik-Ecke schaffen konnte. Herzlichen Glückwunsch, kann man da nur sagen – solange sich Gerd nicht wie ein OLIVER SHANTI über kleine Kinder hermacht, ist das doch tatsächlich schon wieder ein gewisses Qualitätsmerkmal! Genauso wie die Tatsache, dass GERD WEYHING seine CD mit der Creative-Commons-Lizens versehen ließ, so dass sie immer und überall auch öffentlich gespielt werden darf, ohne dass die GEMA ihre schreckliche, profitgeilen Kraken-Hände danach ausstreckt.

FAZIT (in eigenen Gerdski-Worten):
„Es ist interessant (und auch schön!), dass ich oft von Menschen höre, meine Musik wäre sehr entspannend, aber dabei gleichzeitig auch bewegt und aufwühlend. Seit über 30 Jahren versuche ich, Musik zu machen, die gut IST und gut KLINGT… es ist wunderbar, dass sie (auch) gut TUT.
Das hat sicher mit den repetitiven, sich wiederholenden Texturen / Patterns zu tun, die sich auf verschiedenen Ebenen entwickeln und verändern. Sicher aber auch nicht zuletzt damit, dass die Stücke 20-30 Minuten lang sind und genug Zeit haben, um sich zu entwickeln … und den Hörer dabei gleich mitnehmen.“

Mein FAZIT:
Recht hat er – der Gerdski!

Rezension von „the hidden symmetry“

Marcus Kästner hat eine Rezension zu meiner CD geschrieben. Danke. „gefälltmir“

Von: Marcus Kästner

Singende Dichter, sogenannte Rhapsoden, trugen im frühen Griechenland ihre Epik vor kleinem Publikum zum Spiel der Phorminx, einem Saiteninstrument, vor. Sie mussten ohne Noten- und Textblätter auskommen, wenn sie ihre abendfüllenden Vorträge gestalteten. Sie hielten sich daher an vorgefertigte zusammenhängende Textmuster, Formeln und Wiederholungen, um kohärente Bilder ihrer Erzählungen zu zeichnen. Diese Parallele kam mir in den Kopf, als ich ein Video von Gerd Weyhing sah, in dem dieser mit seiner Gitarre und seinem Equipment vor kleinem Publikum sein aus Echos, Loops und live eingespielten wie programmierten Sequenzen bestehendes Stück „Icyclokinesis“ zum besten gibt. Was Weyhing dabei von den Rhapsoden unterscheidet? Er nutzt allein die Ausdrucksform seiner Musik zur Erzählung seiner Geschichten!

Das Genre „Soundscapes“ ist ein ziemlich schlecht zu vermarktendes. Es gibt die, die mit dem Namen etwas anfangen können, aber vermutlich die Werke seines Schöpfers (Robert Fripp) bevorzugen und es gibt die, die mit dem rätselhaften Namen nichts anfangen können und deshalb vermutlich auch nicht neugierig werden. Das ist schade, denn bei Gerd Weyhings Soundscapes können Freunde von Ambient- und früher elektronischer Musik, aber auch Liebhaber frippesker Klänge ganz auf ihre Kosten kommen.

Ich bin überhaupt erst durch Gerd Weyhing auf die Welt der Soundscapes aufmerksam geworden. Seinerzeit, im Dezember 2004, als ich mir sein erstes Album, das hier bereits kontrovers diskutiert wurde, aus Neugier bei ihm persönlich gekauft hatte. Mein Freund Sal Pichireddu schrieb damals auf diesen Seiten sehr treffend:

„Diese Musik ist wie ein Gedicht, das jeder Hörer selbst schreiben kann, schreiben soll, wenn er den Mut dazu findet.“

Diese Worte gelten in gleichem Maße für „The Hidden Symmetry“. Im Gegensatz zum ersten Album gibt es hier drei Stücke mit jeweils eigener Atmosphäre und eigenem Spannungsbogen zu hören. Wie auch beim Vorgänger wird dabei das Fassungsvermögen einer CD beinahe ganz ausgereizt.

Die Intensität des eigenen Gedichts, um bei Sals Worten zu bleiben, hängt davon ab, wie sehr man als Hörer in Weyhings Klangwelt eintaucht, wie sehr man sich auf die sich langsam entwickelnden Strukturen einlässt, die eine fast meditative Konzentration erfordern, um gänzlich in ihnen aufgehen zu können. Dem Leser dieser Seiten sollte eine gewisse Bereitschaft zur Erforschung solcher Stücke aber gegeben sein. Und es lohnt sich!

Gerade das abschließende „Dubh Artach“ ist ein Wechselbad der Gefühle, voll durchdringender Energie und knisternder Spannung, dass man denkt, in den Soli gen Mitte des Stückes würden Funken aus den Boxen sprühen. Und drumherum eine schaurige Bedrohlichkeit, die in ihrer Einsamkeit als Echolot in regelmäßigen Abständen in das Ohr und das Herz des Hörers pocht. Man muss es erlebt haben, um darüber zu berichten. Mir hat es wundervolle Momente beschert.

So erzählt der Soundscape-Rhapsode Gerd Weyhing seine Geschichten. Immer mit ein bisschen Wehmut und Schmerz, aber auch mit Leidenschaft und Hingabe. Wie ich bereits eingangs schrieb: Ich bin im Umfeld der Soundscapes nicht besonders bewandert. Mir kommt beim Hören von Weyhings Musik als Erstes immer ein Vergleich aus einer vermeintlich verschiedenen Richtung in den Sinn: Mike Oldfield. Wie dieser zaubert er lange, vielschichtige und -stimmige Werke, die unterschiedliche Kulminationspunkte haben. Zudem gibt es im Spiel und Klang ihrer Gitarren einige Gemeinsamkeiten. Ich sage daher, Gerd Weyhing ist der dunkle, schräge Mike Oldfield.

Die CD ist bei Gerd Weyhing persönlich (s.o.) und auf seinen Konzerten zu erstehen. Letzteres rate ich dem Interessenten unbedingt an. Live gewinnt Weyhings Musik noch einmal an Brisanz. Damit sich keine falschen Zuhörer angesprochen fühlen, hier noch ein sachdienlicher Hinweis von O. Mensing:

„Ich warne jeden […] Melodic Rock-Liebhaber: Ihr solltet wirklich auf diese Art von Minimal-Musik abfahren.“

Da wisst ihr Bescheid!
Anspieltipp(s): Dubh Artach
Vergleichbar mit: Den im Text genannten
Veröffentlicht am: 7.6.2012
Wertung: 12/15

Ich bin mir sicher: Das ist noch nicht die Spitze von Weyhings Schaffenskunst!

Rezension zu „Journeys to impossible Places“ auf den Babyblauen Seiten

Christian Rode hat für die Babyblauen Seiten eine Rezension geschrieben. Danke!

Wohin führt uns Gerd Weyhing mit seinen „Journeys to Impossible Places“? Wie mir scheint führt er uns an Plätze, an denen sich Robert Fripp und Klaus Schulze ein Stelldichein geben. Wenn ich dieses Album mit seinem Vorgänger „The Hidden Symmetry“ vergleiche, dann fällt mir auf, dass der elektronische Rhythmus stark an Bedeutung gewonnen hat. Diesen hatte es zwar auch schon vorher gegeben, aber nicht in dieser Intensität.

Gleich bei „Forbidden Tracks“ wird dies besonders deutlich. Die an Fripp angelehnten Soundscapes werden hier mit rhythmischen Tonreihen aus dem Sequencer geradezu überschwemmt, in der Folge wird sogar eine zweite härtere Rhythmussequenz aufgebaut, die dem Stück einen industriell-metallischen Sound gibt. Was Gerd Weyhing hier an wuchtigen Klanggebirgen aufbaut, nimmt den Hörer durch seine geradezu physisch fühlbare Präsenz ganz unmittelbar gefangen. Im zweiten Teil wird es etwas weniger aufwühlend.

Das folgende „Cryptomeria“ erzeugt Emotionen, die mehr ins Träumerisch-Mystische reichen. Der Rhythmus ist auch hier prominent, aber nicht so schlagend wie im Opener. Das ebenfalls über eine halbe Stunde lange Stück hat nach meinem Geschmack allerdings einen etwas zu langwierigen Ausklang, was dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Die zweite CD folgt den Spuren von „Cryptomenia“ und folgt dabei etwas stärker dem bewährten Soundscape-Ansatz. Gerd Weyhing schickt seine Hörer besonders auf „Landscape and Memory“ durch schräge, surreale Klanglandschaften, die sich nur ganz allmählich wandeln und in denen die Hörer sich nur hoffnungslos verlieren können. Weyhing selbst muss allerdings auch ein wenig aufpassen, dass ihm nicht Gleiches widerfährt. Wobei man einwenden könnte: „Wer sich nicht verliert, kann sich auch nicht wiederfinden.“ (G. Weyhing) Ein suggestiver, meditativer Charakter ist dem Gesamtunternehmen nicht abzusprechen.

Mit seinen „Journeys to Impossible Places“ ist Gerd Weyhing durch die verstärkte Synthese von Frippschen Soundscapes mit elektronischer Rhythmik im Stil der Berliner Schule ein kleiner, aber feiner Qualitätssprung gelungen, der aufhorchen lässt. Nichts davon ist neu, aber die Synthese der Elemente schafft neue, erregende Klanggemälde.

Anspieltipp(s): Forbidden Tracks, Landscape and Memory
Veröffentlicht am: 5.5.2014
Letzte Änderung: 5.5.2014
Wertung: 12/15

Rezension zu „Journeys to impossible Places“ auf Gaesteliste.de

Klaus Reckert hat auf Gaesteliste.de ein Review zu „Journeys to impossible Places“ geschrieben. Vielen Dank dafür!

Gerd Weyhing – Journeys To Impossible Places
Eigenveröffentlichung
Format: 2CD

Erklingen an unmöglichen Orten etwa auch „Sounds That Can’t Be Made“? Das nun erfreulicherweise nicht, zumal es Gerd „Gerdski“ Weyhing wie im Zen-Buddhismus mehr um die Reise und weniger um das Ziel zu gehen scheint. Denn bei diesen bei drei Konzerten 2013 live aufgenommenen fünf Kompositionen ist wohl der Aufbau das Wichtigste, das Aufschaukeln, die Steigerung, das (nicht ganz so) Eintreffen des Erwarteten, Welle auf Welle, die nächste wird die Perfekte sein, doch da geht es schon weiter…Die aufmachenden „Forbidden Tracks“ sorgen durch den Sound der zunächst frippertronisch und darüber hinaus bis zum Erkennungsklang der Marsianer in „War Of The Worlds“ verzerrten Les Paul für jede Menge Dramatik. Bei „Cryptomeria“ besorgt den gleichen Job u.a. ein unheilvoll ostinater Bass-Lauf. Einiges an Space-Flair – noch unterstützt durch Funkspruch-Samples – wird durch die spacigen Sequenzer generiert, während die Gitarre klanglich etwa wie bei King Crimsons „Lament“ klagt. So orgiastisch sich das Stück aufbäumt, so sinkt es ab Minute 23 auch wieder in sich zusammen – mit dem gut passenden Effekt eines sehr langen Fades inklusive finalem Vinyl-Prasseln und abhebendem Tonarm.

„Das Reich des schwarzen Fisches“ auf CD2 ist ein abermals ruhigerer Ort, in dem die Leadgitarre trotz des Titels warmes Licht einlassen kann. Perkussive Sounds verschaffen u.a. eine Ahnung davon, was eine richtige Band hier eventuell noch hinzufügen könnte. Echt klingender Bass auf „The Melism Of A.“ lässt solche Spekulationen noch weiter wuchern, auch wenn es solche Spekulationen in impossible places stattfinden dürften.

PS: Auch wenn hier manchmal von Space die Rede war und Soundscapes gemeint waren – die volle Wucht dieses empfehlenswerten galaktischen Reiseführers erschließt sich bei möglichst hoher Lautstärke. Full Blast hat „Ambient“ noch nie so gut getan wie hier!

PPS: Die Doppel-CD ist für enorm günstige 15 Euro inklusive Versand bei Gerdski erhältlich (siehe erste Surf-Empfehlung), die dann auch nur dem Künstler zugute kommen.