Rezension von SubTerraMachIneA von Achim Breiling auf den Babyblauen Seiten

Achim Breiling schrieb etwas schönes über SubTerraMachIneA auf den Babyblauen Seiten:

Ein neues Album von Gerd Weyhing aus Rinnthal im Pfälzer Wald! “SubTerraMachIneA” ist dortselbst offenbar in den letzten 5 Jahren entstanden, und mit der Scheibe betritt er, zumindest im Vergleich zum von ihm auf vorherigen Veröffentlichungen (die dem Rezensenten bekannt sind) bzw. bei Konzerten (die der Rezensent beiwohnen konnte) normalerweise abgesteckten klanglichen Territorium, musikalisches Neuland. Weyhing baut nun nicht mehr vornehmlich auf effektverfremdete, schleifenbildende E-Gitarrensounds, sondern betätigt sich als proggender Multiinstrumentalist.

Gitarren stehen zwar auch auf “SubTerraMachIneA” oft im Mittelpunkt des Geschehens, doch erklingen dazu nun noch so allerlei weitere Klangerzeuger, z.B. ein Piano, ein Bass, verschiedene Akustikgitarren, diverse Keyboards, eine Tapping Guitar (also eine Chapman-Stick-Variante) und nicht selten auch Perkussives. Mit diesen Tonquellen entstanden in Rinnthal drei ausgedehnte Nummern von recht unterschiedlichem Charakter, die man aber alle als elektronisch-progressiven Rock bezeichnen kann. Soundscapeartiges, Ambientschweben und Kosmisch-Elektronisches, das meist die vorherigen Werke Weyhings beherrschte, ist auf “SubTerraMachIneA” kaum auszumachen.

“The Tree” beginnt mit etwas unbeholfen wirkenden Pianoläufen, die aber schnell an Sicherheit gewinnen und sich in repetitive Muster verwandeln, die im weiteren Verlauf das ganze Stück durchziehen. Bass, Gitarre(n) und Schlagzeug setzen ein, und die Nummer entwickelt sich in eine meist flott dahingleitende, durchaus abwechslungsreiche Prognummer im Oldfieldschen Geiste. Etwas lang geraten ist das Stück aber, das offenbar das langsame (Ab)Sterben eines Baumes beschreibt. Doch sorgen die minimalistisch geschichteten, sich oft wiederholenden Linien der verschiedenen Instrumente trotz der Länge für eine überzeugende hypnotische Dichte, auch wenn die Nummer in Bezug auf den Sound etwas mehr Saft und Kraft hätte vertragen können.

Minimalistisch ist ein Adjektiv, welches auch (oder noch viel mehr) auf “Clockwork for uncertain times” angewendet werden kann. Schlichter instrumentiert als “The Tree”, ohne allzu deutliche Oldfield-Bezüge, elektrischer und maschineller, erinnert die Musik in der Tat an ein dahintickendes Uhrwerk. Piano, viel (authentisch und vielseitig) programmierte Perkussion, Basslinien, verschiedene Tastensounds und der Stick erzeugen hier ein durchaus farbiges, repetitiv-hypnotisches, hallend-tackerndes Gemenge, das den Hörer (so er sich darauf einlässt) gefangen nimmt.

Das abschließende “Silence and Ecstasy” arbeitet sich etwas weniger gleichförmig, aber ähnlich dynamisch voran, sorgen schleifende Gitarrensounds à la Fripp, hallende e-pianoartige Linien, knurrende Bassounds und wieder allerlei Perkussion für eine erhöhte klangliche Buntheit. Hier ist der Stickprog aus dem rezenteren King-Crimson-Umfeld nicht so weit weg (siehe z.B. die klangmalenderen Improvisationen der Stick Men).

“SubTerraMachIneA” ist alles in allem ein unterhaltsames Album mit überzeugend dargebotenem Ein-Mann-Elektroprog mit DIY-Charme, das Babyblaue Leserinnen und Leser einmal antesten sollten, die Soundscapeartiges (wobei es das – wie gesagt – hier kaum zu hören gibt, oder nur eingebunden in repetitiv-rockmusikalische Muster), den eben erwähnten Stickprog, Retro-Oldfield-Prog und rockige Minimalmusic schätzen. Das Album ist auch als hübsch verpackte CD-R zu haben (siehe den Labellink oben). Schönes Cover!

Achim Breiling, 09.02.2019, Babyblaue Seiten

Rezension von SubTerraMachIneA von Nik Brückner auf den Babyblauen Seiten

Nik Brückner schrieb auch etwas über SubTerraMachIneA auf den Babyblauen Seiten. 🙂

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1994 verletzten Unbekannte eine mächtige, mehr als 300 Jahre alte Eiche bei Hauenstein in der Pfalz, um die vergangene Generationen traditionell ihre Feste feierten. Die Bestürzung der Hauensteiner war groß, aber trotz aller Bemühungen erholte sich die Dicke Eiche nicht mehr von dem tiefen Sägenschnitt: 2011 musste sie aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Ihre Überreste befinden sich immer noch an dem Ort, an dem die Eiche einst stand. Die Täter wurden nie gefasst, die Gründe für ihre Tat sind unbekannt.

Gerd Weyhing, der ganz in der Nähe lebt, hat diesem Baum einen dreißigminütigen Longtrack gewidmet. Er beginnt mit einem einfachen, etüdenhaften Pianomotiv, das auf drei aufsteigenden Tönen beruht. Auf den ersten Hör klingt es ein wenig plastilinhaltig, auf den zweiten, dritten und alle weiteren auch. Doch bald wird dieses erste Motiv durch eine Variante seiner selbst ersetzt, schneller, flüssiger, der Bass tritt mit einem Viertonmotiv hinzu, und nach und nach werden neue, zusätzliche Instrumente hinzugefügt, die nach und nach neue Motive beitragen. So entsteht ein dichtes, oft polymetrisches Geflecht.

“Melodie wird überschätzt” sagt Weyhing, und ich weiß, was er damit meint. Immerhin identifizieren die meisten Proghörer ihren Prog nicht über Melodie, sondern über Rhythmik. Das heißt aber nicht, dass dieses Album nicht melodiös sei. Weyhing reiht sich in die Nachfolge Mike Oldfields ein, die in den letzten Jahren so interessante Alben wie die Andrew Taylors oder Robert Reeds hervorgebracht hat. Ähnlich wie der große Meister weiß Weyhing seine Instrumente effektvoll zu kombinieren, und schon über die Instrumentierung allein, Leben und Sterben der dicken Eiche zu illustrieren. Und ähnlich wie bei Oldfield gibt es bei Weyhing kaum einmal eine Hauptmelodie, die etwa als Gesangslinie in Frage käme. Die Melodien sind vielmehr subtiler, zurückhaltend ineinandergeflochten. Weyhing macht das mit sehr viel Geschmack und Gespür dafür, wann’s genug ist mit den vielen Melodien, den verschiedenen Schichten. Auch weiß er, Elemente Oldfield’scher Harmonik so einzusetzen, dass das Ganze zwar an den Meister erinnert, dabei aber immer eigenständig bleibt. Dafür, dass das Ganze über volle 30 Minuten trägt, sorgen wiederkehrende Motive und ihre Varianten; so kann man etwa die drei aufsteigenden Töne vom Anfang oder das Viertonmotiv im Bass in dem dichten Geflecht immer wieder entdecken.

Das Stück nimmt gegen Ende an Intensität zu, bis die Musik nach und nach abebbt, und schließlich verklingt. Und der Baum? Nach mehreren Anläufen ist es engagierten Menschen aus Hauenstein und Erfweiler gelungen, eine neue Eiche anzupflanzen. Bleibt zu hoffen, dass sie wächst und gedeiht, und selbst mindestens 300 Jahre alt wird.

“Clockwork for uncertain Times” rückt vom Oldfield-Approach ab, indem das Stück maschineller, kühler klingt. Dafür wirkt die Musik minimalistisch, berechneter. Das Layering-Prinzip wird beibehalten, ebenso die Polyrhythmik, und so bekommt man wirklich den Eindruck eines komplexen Uhrwerks, in dem zahlreiche Zahnrädchen verschiedener Größen ineinandergreifen.

Das abschließende “Silence and Ecstasy” beschreibt eine Mountainbike-Tour des passionierten Bikers Weyhing. Dementsprechend wieder abwechslungsreicher als “Clockwork for uncertain Times”, folgt man musikalisch einem Bike-Trail hinauf zu einem Aussichtspunkt, bis es von dort in rasender Fahrt wieder hinunter zum Ausgangspunkt geht.

Es gibt eine Diskussion darüber, welches Gewicht man Sound und Produktion bei der Bewertung von Musik einräumen sollte, und Gerd Weyhings “SubTerraMachIneA” ist, ähnlich wie “The Chaos Game” von Cabinets of Curiosity, das zur Zeit unser Zweittipp des Monats ist, ein weiteres in einer langen Kette von Argumenten dafür, dass man Sound und Produktion besser nicht besonders stark gewichten sollte. Bei der Bewertung von Musik, wohlgemerkt, nicht beim Genuss von Musik (der ist, häufig genug, davon vollkommen unabhängig). Denn Musik ist vom Talent abhängig, die klangliche Qualität bloß vom Geldbeutel. Wer wüsste das besser als ein Progfan! Von den heute technisch möglichen Klangwelten ist unsere Musik schließlich oft genug weit entfernt. Wer Musik wegen ihres Sounds ignoriert, oder wegen ihres Do-it-yourself-Approaches ablehnt, der hilft unserem Genre nicht nur nicht, er schädigt es sogar aktiv. Denn auf diese Weise bekommen ausgerechnet jene Musiker einen Malus, die ihn am wenigsten verkraften können: Die Jungen, die Unbekannten, die Bastler und Experimentierer. Weyhing ist einer davon. Gebt solchen Leuten eine Chance!

Nik Brückner, 28.03.2019, Babyblaue Seiten

The making of SubTerraMachIneA – Teil 1

Ich wollte schon längst etwas zum Entstehungsprozess der Platte schreiben. Immerhin hat das alles 5 Jahre gedauert, und in der Zwischenzeit muß man sich ja auch noch um Erwerbsarbeit, Steuererklärungen und die Biomülltonne kümmern. Also … was habe ich eigentlich gemacht in der ganzen Zeit?

1.) Komposition

Ganz am Anfang steht immer eine Idee. Nur eine. Die so gut ist, daß sie mir auch am nächsten Tag noch gefällt. Dann überlege ich mir, was ich damit machen kann. Eine einzelne Idee ist an sich nicht so wichtig…jeder hat ständig gute und schlechte Ideen. Aber nur der Musiker macht was draus. Ich versuche dann herauszufinden, was dazu passen könnte, wo die Idee hingehen kann, vielleicht zu einer weiteren Idee, und dann wäre es gut, wenn der Weg von Idee 1 zu Idee 2 spannend und stimmig ist.

Andere Ideen kommen irgendwann des Weges, gute und schlechte. Die schlechten schmeiße ich weg, die mittelmäßigen und ausbaubaren behalte ich, und die guten behalte ich natürlich auch.

So sieht das dann in Ableton aus

Meistens beginnt ein komponiertes Stück am Klavier. Ich notiere mir das dann in meiner undechiffrierbaren Geheimschrift und versuche es am nächsten Tag wieder zu entziffern, und in eine Software zu übertragen, meistens Ableton Live. Weitere Ideen kommen dazu, und dann wird daraus ein (hoffentlich spannender) Aufbau. Der Weg soll ja das Ziel sein.

Weil ich das jeden Abend mache kommt nach einiger Zeit ein Stück dabei raus, der Aufbau wird immer deutlicher. Jeden Abend 10-15 Sekunden…da kann ein 30-minütiges Stück wie The Tree schon mal ein Jahr dauern.

So…fertig komponiert. Eigentlich schon anhörbar., aber noch etwas leblos (weil es direkt aus dem Computer kommt).

Weiter mit Teil 2.) Aufnahme …

SubTerraMachIneA

Hervorgehoben

CD-R “SubTerraMachIneA”
Veröffentlicht am 07.12.2018
Rezensionen stehen oben bei “CDs”

Trackliste:

1.) The Tree
2.) Clockwork for Uncertain Times
3.) Silence and Ecstasy

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Entweder HIER oder auf Bandcamp.

Preis:
12,- € zzgl. 1,45 € P&P innerhalb Deutschlands
10,- € für die Download-Version auf Bandcamp

Rezension von “Journeys to Impossible Places” von Andreas Pawlowski

Gerd Weyhing: Journeys To Impossible Places

Schrottland, 2014

1.1  Forbidden Tracks  32:28
1.2  Cryptomeria  31:01
2.1  Das Reich des schwarzen Fisches  21:23
2.2  Landscape And Memory  23:46
2.3  The Melism Of A.  27:35

Nach seinem bemerkenswerten Debüt „The Hidden Symmetry“ hat Gerd Weyhing nun ein neues Album herausgebracht. Weil Gerd im letzten Jahr viel unterwegs war, ist „Journeys To Impossible Places“ ein Doppelalbum geworden, das Musik von Live-Auftritten in Wiesbaden, Dresden, Essen und Bocholt vereinigt, aufgenommen zwischen dem 13. April und dem 26. Oktober 2013. Einzige Einschränkung: der Gitarrenpart von „Landscape And Memory“ wurde nachträglich (live) eingespielt.

Alle Coverseiten inklusive der CDs selber sind sehr schön gestaltet; das wirkt wie Gestein, zum Teil sehr bunt. Leider ist nirgends vermerkt, wer das Cover geschaffen hat; vielleicht stammt es von Gerd selber. (Anmerkung: Ja, es stammt von mir)

Ein Kennzeichen von Gerd Weyhings Musik ist die Dauer der Tracks: eine halbe Stunde ist durchaus nicht ungewöhnlich. Meist lässt er seine Stücke ganz lange ausklingen, so dass das eben Gehörte nachwirken kann und man aus der Stimmung nicht „herausgeschubst“ wird.

Ganz wichtig ist bei einer Produktion des Gitarristen Gerd Weyhing natürlich die E-Gitarre. Nach wie vor staune ich, was man mit diesem Instrument so alles anstellen kann, welche Klänge sich damit (und entsprechenden elektronischen Hilfsmitteln) erzeugen lassen.

Es sind nicht unbedingt die Melodien, die fesseln, denn die sind (von Ausnahmen abgesehen) kaum ausgeprägt. Nein, die Faszination rufen die Klangschaften – Soundscapes hervor, die Gerd kreiert und großflächig ausbreitet.

Auf die beiden CDs verteilen sich fünf (entsprechend lange) Tracks, zu denen ich noch ein paar Sätze spendiere:

1.  Forbidden Tracks:

Gerd baut ein Gerüst aus einer kleinen, aus stakkatoartigen kurzen Tönen bestehenden Sequenz, flächigen Ambientklängen und prägnanten rhythmischen Einsprengseln. Darauf setzt er seine so charakteristische Gitarre. Er gibt sich aber auch die Gelegenheit, das Gerüst mit anderen Klängen zu verstärken und die schon vorhandenen zu intensivieren. Vor allem die rhythmischen Elemente werden mehr.

Manchmal weiß ich nicht zu sagen, ob gewisse Sounds oder Teile des Stücks von der Gitarre stammen, oder ob es doch pure Synthesizerklänge sind. Mein Eindruck ist aber, dass hier die Tasteninstrumente dominieren, dafür kreiert Gerd mit der Gitarre umso „wildere“ Sounds.

„Forbidden Tracks“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Gerd seine Stücke mit viel Zeit ausklingen lässt. Ambiente Klänge kommen hier bestens zur Geltung und werden nicht mehr von rhythmischen Elementen dominiert.

2.  Cryptomeria:

Bei diesem Stück steht die E-Gitarre stärker im Vordergrund. Nach gut 6 Minuten schieben sich schnellere Rhythmusklänge in die Musik. Die zunächst noch ruhigen Gitarren- und Synthesizerklänge werden bald „quirliger“. Im weiteren Verlauf des Stückes tragen immer mehr Elemente zur Komplexität bei, bis hin zu Drums und Stimmsamples. Genauso wird das alles auch wieder abgebaut. Zwischendurch wird mit den Sounds auch „experimentiert“: Unterbrechungen, Verzerrung des Klangs und Verschiebung der Tonhöhe und anderes würden in einem anderen Musikgenre den Hörer mindestens an Fehler bei der Herstellung der CD denken lassen. – Bei EM ist solches ja Gott sei dank erlaubt.

3.  Das Reich des schwarzen Fisches:

Zum „Reich des schwarzen Fisches“ ist die E-Gitarre die Eintrittskarte, denn sie steht gleich am Beginn des Stückes. Der Rhythmus wird von Trommel- und Tambourinklängen getragen, die mich an Bands erinnern, die „mittelalterliche“ Musik machen. – Letzteres ist jedoch kein Hinweis auf den Stil der Musik dieser CD. Allerdings hat das Stück schon etwas Düsteres, wie Gerd Weyhings Werke insgesamt nicht in die Kategorie „himmelhoch jauchzend“ fallen. Der Titel „Das Reich des schwarzen Fisches“ lässt ja an sich schon kaum euphorische Gefühle aufkommen, aber deprimierend ist das Stück nun auch nicht. Ich lasse mich sehr gerne von der dunklen Stimmung forttragen und genieße es, wie Gerd den Track entwickelt und entfaltet. Im „Reich des schwarzen Fisches“ wird die E-Gitarre auch als ausgesprochenes Melodie-Instrument eingesetzt.

4.  Landscape And Memory:

Celloartige Klänge bauen zu Beginn eine nahezu romantische Stimmung auf, wie tastend bewegen sich die Töne fort. Da können durchaus Bilder von Landschaften wie bei Caspar David Friedrich vor dem geistigen Auge auftauchen. Doch zu „glatt“ und eingängig soll es bitteschön nicht werden. Und solche, womöglich einlullende Stücke sind Gerd Weyhings Sache nicht. Also werden tonale Störfeuer eingebaut, dissonante Querschläger, die die  Romantik-Stimmung vom Anfang aufbrechen. Nach einiger Zeit übernehmen Sequenzer und E-Gitarre das Ruder und lenken den Blick auf eine andere Landschaft und Erinnerung („Landscape And Memory“), ohne dass die bisherigen Elemente völlig abgelöst würden.

Ich gebe zu, bei „Landscape And Memory“ fehlt mir ein wenig der rote Faden; das Stück laviert für mein Empfinden ein bisschen zu sehr durch die Klangwelten und findet nicht recht zu sich selbst. Die einzelnen Elemente stehen mehr nebeneinander; es sei denn, es war die Absicht, etwas konfuse „Landscape And Memory“ musikalisch zu illustrieren.

5.  The Melism Of A.:

Ich musste erst einmal recherchieren, was „Melism“ sein könnte. Ein Melisma ist dem Fremdwörterlexikon nach eine melodische Verzierung, eine Koloratur. Das „A.“ vermag ich dagegen nicht zu deuten – oder ist damit womöglich einfach der Ton „A“ gemeint?

Was ich höre, ist allerdings dem Titel durchaus nachzuempfinden. Gerd spielt eigentlich nur ganz wenige Töne, langgezogen, in der Tonhöhe nicht weit voneinander entfernt – also völlig unspektakulär und für sich genommen sicherlich nicht für das breite Publikum geeignet. Was Gerd aber mit diesen wenigen Tönen macht, das ist faszinierend. Es sind eben solche „Melismen“, also Verzierungen, die die gut 27 Minuten Laufzeit im Nu vergehen lassen. Immer neue Feinheiten, Bässe, Percussion, Intensität der Sounds, Gitarre und Synths, zum Schluss auch eine weibliche Gesangsstimme, machen die Faszination dieses Tracks aus.

Mit “Journeys To Impossible Places” hat Gerd einen sehr schönen Überblick über sein derzeitiges Schaffen vorgelegt. Und ich finde, man sollte solch engagierten und eigenständigen Künstlern auch entsprechend begegnen und mit dem Kauf der CD  unterstützen, zumal 15 Euro für ein Doppelalbum absolut nicht zu viel sind. – Viel Spaß beim Hören!

Andreas Pawlowski

Bezug: www.schrottland.de
oder
http://gerdski.bandcamp.com/album/journeys-to-impossible-places

Rezension zu “Journeys to impossible Places” auf Gaesteliste.de

Klaus Reckert hat auf Gaesteliste.de ein Review zu “Journeys to impossible Places” geschrieben. Vielen Dank dafür!

Gerd Weyhing – Journeys To Impossible Places
Eigenveröffentlichung
Format: 2CD

Erklingen an unmöglichen Orten etwa auch “Sounds That Can’t Be Made”? Das nun erfreulicherweise nicht, zumal es Gerd “Gerdski” Weyhing wie im Zen-Buddhismus mehr um die Reise und weniger um das Ziel zu gehen scheint. Denn bei diesen bei drei Konzerten 2013 live aufgenommenen fünf Kompositionen ist wohl der Aufbau das Wichtigste, das Aufschaukeln, die Steigerung, das (nicht ganz so) Eintreffen des Erwarteten, Welle auf Welle, die nächste wird die Perfekte sein, doch da geht es schon weiter…Die aufmachenden “Forbidden Tracks” sorgen durch den Sound der zunächst frippertronisch und darüber hinaus bis zum Erkennungsklang der Marsianer in “War Of The Worlds” verzerrten Les Paul für jede Menge Dramatik. Bei “Cryptomeria” besorgt den gleichen Job u.a. ein unheilvoll ostinater Bass-Lauf. Einiges an Space-Flair – noch unterstützt durch Funkspruch-Samples – wird durch die spacigen Sequenzer generiert, während die Gitarre klanglich etwa wie bei King Crimsons “Lament” klagt. So orgiastisch sich das Stück aufbäumt, so sinkt es ab Minute 23 auch wieder in sich zusammen – mit dem gut passenden Effekt eines sehr langen Fades inklusive finalem Vinyl-Prasseln und abhebendem Tonarm.

“Das Reich des schwarzen Fisches” auf CD2 ist ein abermals ruhigerer Ort, in dem die Leadgitarre trotz des Titels warmes Licht einlassen kann. Perkussive Sounds verschaffen u.a. eine Ahnung davon, was eine richtige Band hier eventuell noch hinzufügen könnte. Echt klingender Bass auf “The Melism Of A.” lässt solche Spekulationen noch weiter wuchern, auch wenn es solche Spekulationen in impossible places stattfinden dürften.

PS: Auch wenn hier manchmal von Space die Rede war und Soundscapes gemeint waren – die volle Wucht dieses empfehlenswerten galaktischen Reiseführers erschließt sich bei möglichst hoher Lautstärke. Full Blast hat “Ambient” noch nie so gut getan wie hier!

PPS: Die Doppel-CD ist für enorm günstige 15 Euro inklusive Versand bei Gerdski erhältlich (siehe erste Surf-Empfehlung), die dann auch nur dem Künstler zugute kommen.

Rezension zu “Journeys to impossible Places” auf den Babyblauen Seiten

Christian Rode hat für die Babyblauen Seiten eine Rezension geschrieben. Danke!

Wohin führt uns Gerd Weyhing mit seinen „Journeys to Impossible Places“? Wie mir scheint führt er uns an Plätze, an denen sich Robert Fripp und Klaus Schulze ein Stelldichein geben. Wenn ich dieses Album mit seinem Vorgänger „The Hidden Symmetry“ vergleiche, dann fällt mir auf, dass der elektronische Rhythmus stark an Bedeutung gewonnen hat. Diesen hatte es zwar auch schon vorher gegeben, aber nicht in dieser Intensität.

Gleich bei „Forbidden Tracks“ wird dies besonders deutlich. Die an Fripp angelehnten Soundscapes werden hier mit rhythmischen Tonreihen aus dem Sequencer geradezu überschwemmt, in der Folge wird sogar eine zweite härtere Rhythmussequenz aufgebaut, die dem Stück einen industriell-metallischen Sound gibt. Was Gerd Weyhing hier an wuchtigen Klanggebirgen aufbaut, nimmt den Hörer durch seine geradezu physisch fühlbare Präsenz ganz unmittelbar gefangen. Im zweiten Teil wird es etwas weniger aufwühlend.

Das folgende „Cryptomeria“ erzeugt Emotionen, die mehr ins Träumerisch-Mystische reichen. Der Rhythmus ist auch hier prominent, aber nicht so schlagend wie im Opener. Das ebenfalls über eine halbe Stunde lange Stück hat nach meinem Geschmack allerdings einen etwas zu langwierigen Ausklang, was dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch tut. Die zweite CD folgt den Spuren von „Cryptomenia“ und folgt dabei etwas stärker dem bewährten Soundscape-Ansatz. Gerd Weyhing schickt seine Hörer besonders auf „Landscape and Memory“ durch schräge, surreale Klanglandschaften, die sich nur ganz allmählich wandeln und in denen die Hörer sich nur hoffnungslos verlieren können. Weyhing selbst muss allerdings auch ein wenig aufpassen, dass ihm nicht Gleiches widerfährt. Wobei man einwenden könnte: „Wer sich nicht verliert, kann sich auch nicht wiederfinden.“ (G. Weyhing) Ein suggestiver, meditativer Charakter ist dem Gesamtunternehmen nicht abzusprechen.

Mit seinen „Journeys to Impossible Places“ ist Gerd Weyhing durch die verstärkte Synthese von Frippschen Soundscapes mit elektronischer Rhythmik im Stil der Berliner Schule ein kleiner, aber feiner Qualitätssprung gelungen, der aufhorchen lässt. Nichts davon ist neu, aber die Synthese der Elemente schafft neue, erregende Klanggemälde.

Anspieltipp(s): Forbidden Tracks, Landscape and Memory
Veröffentlicht am: 5.5.2014
Letzte Änderung: 5.5.2014
Wertung: 12/15

Journeys to impossible places

Journeys to impossible placesDouble CD “Journeys to impossible places”
Release date: 29.03.2014

Track List:
Forbidden Tracks (Bocholt, 26.10.2013)
Cryptomeria (Essen, 31.08.2013)
Das Reich des schwarzen Fisches (Dresden, 13.07.2013)
Landscape and Memory (Wiesbaden, 13.04.2013)
The Melism of A. (Dresden, 13.7.2013)

Price:
15 € incl. P&P (Germany)
10 € for the download version on Bandcamp (will be probably available within a week)

Out now! Orders accepted now! (and greatly appreciated) 🙂

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The Hidden Symmetry

Meine CD “The Hidden Symmetry” ist seit dem 05.04.2012 fertig und kann hier bestellt werden.
My CD “The Hidden Symmetry” is finished since the 05th of April 2012. It can be ordered here.

The Hidden Symmetry

The Hidden Symmetry

Inhalt/Contents:

1. icyclokinesis (29:18)
2. multilated serenity (18:31)
3. dubh artach (24:14)

Gesamtlaufzeit/Total running time 72:03

Im Video icyclokinesis kann man das gleichnamige Stück komplett hören.

You can hear and see the complete piece in a video of icyclokinesis.

Rezension(en) gibt es hier
Read reviews here (German only)

Die CD kostet € 12,- inkl. VK und kann über das Kontaktformular bestellt werden.
The price for the CD is € 12,- incl. P&P and can be ordered by using the contact form. (German only).

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