Bohemian Polyphony im Castle Kalich (CZ)

Es war einmal ein böhmisches Schloß, ein großartiges Gebäude inmitten einer wunderbaren Landschaft, und dort fand allerhand statt, Workshops und Parties…aber es gab noch nie ein nennenswetes musikalisches Event.
Doch 2016 entschlossen sich einige Musiker, dies zu ändern. Im Spätsommer ders Jahres 2016 trafen sie sich im Schloß für 5 Tage.
Dort wurden 19 Stücke aufgenommen, die nahezu unbearbeitet auf Bandcamp anhörbar und downloadbar sind.
2017 findet Bohemian Polyphony wieder statt, vom 02. bis 10 September.
Diesmal wird es mehr Workshops geben, und (hoffentlich) ein Open Air-Konzert im Schloßgarten.
Es sind derzeit noch Zimmer frei. Wenn alle Zimmer belegt sind kann im Garten gezeltet werden. Also…wer gerne dabei sein möchte sollte sich in der Facebook-Gruppe bewerben oder eine Mail schreiben.

Latest news: Das Schloß soll verkauft werden. Das liegt daran, daß nicht genug Besucher kommen, die die immensen Unkosten decken. Das würde natürlich bedeuten, daß Bohemian Polyphony in Zukunft nicht mehr stattfinden würde. 2017 könnte das letzte Mal sein.

Vielleicht können wir das noch verhindern, indem wir ein richtig gutes Event machen, mit einer (naja, zwei) Handvoll guten Musikern und einer Menge Zuhörer, die zum geplanten Live-Konzert am 09.09. kommen.

Wer kommt noch?

Alle Infos auf der Facebook-Gruppe oder direkt per Mail (s.o.)

 

(Video by Michael Peters)
(Fotos von Gerd Weyhing und Wolfgang Roth)

Gerdski LIVE in Ostseebad Ahrenshoop am 20.08.2016

Instrumental Music and Titles

I wrote something on my Bandcamp Site about how Das Reich des schwarzen Fisches and its title met and melted.

Das Reich des Schwarzen Fisches

Das Reich des Schwarzen Fisches

The songtitle could be translated to „The realm of the Black Fish“.

(But what does it mean?)

Instrumental Music and their Titles have a strange relationship. How does one find the right name for music that is not a song? A song usually has some kind of meaning or message, and you just take one line or word out of that, and here is your title.

But instrumental pieces?

It is hard to explain, but for me the right title is something that often exists before the music, as a phrase or word that should not be forgotten.

Then, one day, when making a piece of music, this title flies by, and they meet and fall in love with each other. „And from that day they were as one“, inseparable.

In the case of this song, the title was found somewhere in a huge derelict iron works, outside, on a sign telling people what was going on here some time ago.

After the music and the title met, I was never able to play this music without thinking abouit the Black Fish, swimming through his realm, which is sometimes lovely and sweet and sometimes harsh and dangerous.

Further developping this piece, I always had the Black Fish in mind.

I suppose he is my alter ego. One of them.

Gerdski LIVE in Erfurt am 10.06.2016

Gerdski LIVE in Kaiserslautern am 11.06.2016

Gerdski LIVE in Dresden am 11.07.2015

Gerdski LIVE in Bielefeld am 25.04.2015

Rezension von „Journeys to Impossible Places“ von Andreas Pawlowski

Gerd Weyhing: Journeys To Impossible Places

Schrottland, 2014

1.1  Forbidden Tracks  32:28
1.2  Cryptomeria  31:01
2.1  Das Reich des schwarzen Fisches  21:23
2.2  Landscape And Memory  23:46
2.3  The Melism Of A.  27:35

Nach seinem bemerkenswerten Debüt „The Hidden Symmetry“ hat Gerd Weyhing nun ein neues Album herausgebracht. Weil Gerd im letzten Jahr viel unterwegs war, ist „Journeys To Impossible Places“ ein Doppelalbum geworden, das Musik von Live-Auftritten in Wiesbaden, Dresden, Essen und Bocholt vereinigt, aufgenommen zwischen dem 13. April und dem 26. Oktober 2013. Einzige Einschränkung: der Gitarrenpart von „Landscape And Memory“ wurde nachträglich (live) eingespielt.

Alle Coverseiten inklusive der CDs selber sind sehr schön gestaltet; das wirkt wie Gestein, zum Teil sehr bunt. Leider ist nirgends vermerkt, wer das Cover geschaffen hat; vielleicht stammt es von Gerd selber. (Anmerkung: Ja, es stammt von mir)

Ein Kennzeichen von Gerd Weyhings Musik ist die Dauer der Tracks: eine halbe Stunde ist durchaus nicht ungewöhnlich. Meist lässt er seine Stücke ganz lange ausklingen, so dass das eben Gehörte nachwirken kann und man aus der Stimmung nicht „herausgeschubst“ wird.

Ganz wichtig ist bei einer Produktion des Gitarristen Gerd Weyhing natürlich die E-Gitarre. Nach wie vor staune ich, was man mit diesem Instrument so alles anstellen kann, welche Klänge sich damit (und entsprechenden elektronischen Hilfsmitteln) erzeugen lassen.

Es sind nicht unbedingt die Melodien, die fesseln, denn die sind (von Ausnahmen abgesehen) kaum ausgeprägt. Nein, die Faszination rufen die Klangschaften – Soundscapes hervor, die Gerd kreiert und großflächig ausbreitet.

Auf die beiden CDs verteilen sich fünf (entsprechend lange) Tracks, zu denen ich noch ein paar Sätze spendiere:

1.  Forbidden Tracks:

Gerd baut ein Gerüst aus einer kleinen, aus stakkatoartigen kurzen Tönen bestehenden Sequenz, flächigen Ambientklängen und prägnanten rhythmischen Einsprengseln. Darauf setzt er seine so charakteristische Gitarre. Er gibt sich aber auch die Gelegenheit, das Gerüst mit anderen Klängen zu verstärken und die schon vorhandenen zu intensivieren. Vor allem die rhythmischen Elemente werden mehr.

Manchmal weiß ich nicht zu sagen, ob gewisse Sounds oder Teile des Stücks von der Gitarre stammen, oder ob es doch pure Synthesizerklänge sind. Mein Eindruck ist aber, dass hier die Tasteninstrumente dominieren, dafür kreiert Gerd mit der Gitarre umso „wildere“ Sounds.

„Forbidden Tracks“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Gerd seine Stücke mit viel Zeit ausklingen lässt. Ambiente Klänge kommen hier bestens zur Geltung und werden nicht mehr von rhythmischen Elementen dominiert.

2.  Cryptomeria:

Bei diesem Stück steht die E-Gitarre stärker im Vordergrund. Nach gut 6 Minuten schieben sich schnellere Rhythmusklänge in die Musik. Die zunächst noch ruhigen Gitarren- und Synthesizerklänge werden bald „quirliger“. Im weiteren Verlauf des Stückes tragen immer mehr Elemente zur Komplexität bei, bis hin zu Drums und Stimmsamples. Genauso wird das alles auch wieder abgebaut. Zwischendurch wird mit den Sounds auch „experimentiert“: Unterbrechungen, Verzerrung des Klangs und Verschiebung der Tonhöhe und anderes würden in einem anderen Musikgenre den Hörer mindestens an Fehler bei der Herstellung der CD denken lassen. – Bei EM ist solches ja Gott sei dank erlaubt.

3.  Das Reich des schwarzen Fisches:

Zum „Reich des schwarzen Fisches“ ist die E-Gitarre die Eintrittskarte, denn sie steht gleich am Beginn des Stückes. Der Rhythmus wird von Trommel- und Tambourinklängen getragen, die mich an Bands erinnern, die „mittelalterliche“ Musik machen. – Letzteres ist jedoch kein Hinweis auf den Stil der Musik dieser CD. Allerdings hat das Stück schon etwas Düsteres, wie Gerd Weyhings Werke insgesamt nicht in die Kategorie „himmelhoch jauchzend“ fallen. Der Titel „Das Reich des schwarzen Fisches“ lässt ja an sich schon kaum euphorische Gefühle aufkommen, aber deprimierend ist das Stück nun auch nicht. Ich lasse mich sehr gerne von der dunklen Stimmung forttragen und genieße es, wie Gerd den Track entwickelt und entfaltet. Im „Reich des schwarzen Fisches“ wird die E-Gitarre auch als ausgesprochenes Melodie-Instrument eingesetzt.

4.  Landscape And Memory:

Celloartige Klänge bauen zu Beginn eine nahezu romantische Stimmung auf, wie tastend bewegen sich die Töne fort. Da können durchaus Bilder von Landschaften wie bei Caspar David Friedrich vor dem geistigen Auge auftauchen. Doch zu „glatt“ und eingängig soll es bitteschön nicht werden. Und solche, womöglich einlullende Stücke sind Gerd Weyhings Sache nicht. Also werden tonale Störfeuer eingebaut, dissonante Querschläger, die die  Romantik-Stimmung vom Anfang aufbrechen. Nach einiger Zeit übernehmen Sequenzer und E-Gitarre das Ruder und lenken den Blick auf eine andere Landschaft und Erinnerung („Landscape And Memory“), ohne dass die bisherigen Elemente völlig abgelöst würden.

Ich gebe zu, bei „Landscape And Memory“ fehlt mir ein wenig der rote Faden; das Stück laviert für mein Empfinden ein bisschen zu sehr durch die Klangwelten und findet nicht recht zu sich selbst. Die einzelnen Elemente stehen mehr nebeneinander; es sei denn, es war die Absicht, etwas konfuse „Landscape And Memory“ musikalisch zu illustrieren.

5.  The Melism Of A.:

Ich musste erst einmal recherchieren, was „Melism“ sein könnte. Ein Melisma ist dem Fremdwörterlexikon nach eine melodische Verzierung, eine Koloratur. Das „A.“ vermag ich dagegen nicht zu deuten – oder ist damit womöglich einfach der Ton „A“ gemeint?

Was ich höre, ist allerdings dem Titel durchaus nachzuempfinden. Gerd spielt eigentlich nur ganz wenige Töne, langgezogen, in der Tonhöhe nicht weit voneinander entfernt – also völlig unspektakulär und für sich genommen sicherlich nicht für das breite Publikum geeignet. Was Gerd aber mit diesen wenigen Tönen macht, das ist faszinierend. Es sind eben solche „Melismen“, also Verzierungen, die die gut 27 Minuten Laufzeit im Nu vergehen lassen. Immer neue Feinheiten, Bässe, Percussion, Intensität der Sounds, Gitarre und Synths, zum Schluss auch eine weibliche Gesangsstimme, machen die Faszination dieses Tracks aus.

Mit “Journeys To Impossible Places” hat Gerd einen sehr schönen Überblick über sein derzeitiges Schaffen vorgelegt. Und ich finde, man sollte solch engagierten und eigenständigen Künstlern auch entsprechend begegnen und mit dem Kauf der CD  unterstützen, zumal 15 Euro für ein Doppelalbum absolut nicht zu viel sind. – Viel Spaß beim Hören!

Andreas Pawlowski

Bezug: www.schrottland.de
oder
http://gerdski.bandcamp.com/album/journeys-to-impossible-places

Rezension zu „the hidden symmetry“

Eine Rezension von Achim Breiling.
Danke!
*gefälltmir*

Von: Achim Breiling

Alle zwölf Jahre veröffentlicht der im pfälzischen Exil lebende Gerd Weyhing (nach eigener Aussage) ein Album. Nachdem sein Erstling „The Inside World / Soundscapes III“ im Jahre 2000 das Licht der Welt erblickt hatte, war somit sein zweites Album an der Reihe, welches dann auch pünktlich im Frühjahr 2012 erscheinen ist. Ausgerüstet mit E-Gitarre, Effektgeräten und Laptop gab Weyhing im Dezember 2011 ein Konzert in der Poly Produzentengalerie in Karlsruhe und schnitt bei dieser Gelegenheit drei umfangreiche Stücke mit. Dieses Material wurde dann in Eigenregie abgemischt, klanglich perfektioniert und schließlich als „The Hidden Symmetry“ auf CD gebrannt. Das Ergebnis kann man direkt beim Künstler (und natürlich bei seinen Konzerten) erwerben (siehe den Labellink oben).

Progressive elektronische Musik gibt es auf „The Hidden Symmetry“ zu hören, eine klangvolle und originelle Mischung aus Ambientsounds, klassischer Elektronik (Retroelektronik) und Gitarren-Soundscapes in der Tradition von Robert Fripp. Eher zurückhaltende, bisweilen aber auch leicht aufbrausende E-Gitarrenloops und -schleifen, elektronische Klanggewebe und ab und zu auch hypnotisch-minimalistische Rhythmusmuster vom Sequenzer (oder wie sich das entsprechende Computerprogramm gerade nennen mag) fließen hier aus den Boxen, ergänzt noch um allerlei weiteres elektronisches Fiepen, Wabern, Dröhnen und Zischen. Das Ergebnis sind sehr ausladende, intensive Soundlandschaften, die jeder Hörer in einer anderen Gegend, einem anderen Land, einem anderen Planeten oder irgendwo in sich selbst ansiedeln wird. Phantasieanregend und hypnotisierend erschließt diese Musik jedenfalls erweiterte Klangräume, die zum Wegdriften und Träumen anregen, ohne dabei auch nur im Entferntesten in seichte New-Age-Gefilde abzugleiten. Dazu ist das Ganze auch zu schräg, unglatt und kantig ausgefallen, hängt diesen Klanggemälden doch meist eine gewisse düster-bedrohliche Atmosphäre an.

„The Hidden Symmetry“ kann man wohl irgendwo in der Mitte zwischen den schwarzweißen Ambientklängen eines Robert Rich und den schleifenden Frippertronics des King-Crimson-Gitarristen ansiedeln. Irgendwelche weltbewegende Innovationen hat Weyhing nicht im Angebot (das ist wohl auch gar nicht seine Absicht), gibt es natürlich verschiedene Musiker, die sich in den letzten 30 Jahren in ganz ähnlichen musikalischen Gefilden aufgehalten haben. Doch vor diesen, auch den ganz großen Namen (zwei habe ich oben schon erwähnt), braucht er sich sicher nicht zu verstecken. Wer somit Progressiv-Elektronisch-Sundscapeartiges schätzt, der sollte „The Hidden Symmetry“ nicht verpassen! Bleibt noch zu hoffen, dass Weyhing seine Veröffentlichungsfrequenz in Zukunft etwas erhöht!

Veröffentlicht am: 28.4.2012
Wertung: 11/15